Pascal

Pascal

Autor | Fotograf | Spaßvogel

- Spiegellose Systemkameras – Was ist dran? -

Auf jeden Fall schonmal kein Spiegel… Okay, Spaß beiseite. Tatsächlich scheinen die spiegellosen Kameras grade zu trenden. Doch ist es wirklich nur ein Trend oder vielleicht doch die Zukunftstechnologie?

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Ich möchte sagen: Leider ja. Leider ist es die Zukunftstechnologie. Doch warum leider? Nun, als Spiegelreflexliebhaber tue ich mich mit den neuen spiegellosen Kameras noch schwer. Und dennoch sehe ich auch die Vorteile. Ein Versuch, zwischen Tradition und Technologie zu vermitteln:

Nach Jahrzehnten der Vorherrschaft muss sich die Spiegelreflexkamera langsam aber sicher der Zukunft geschlagen geben. In vielen, aber noch nicht in allen Bereichen.

Während Sony schon lange auf spiegellose Technologie setzt, haben sich Canon und Nikon Zeit gelassen. So viel, dass der plötzliche Umstieg auf die neue Technologie bei beiden doch etwas überhastet gewirkt hat. Sony hatte inzwischen reichlich aufgeholt, was die Verkaufszahlen angeht. Kommen wir zu den Einzelheiten:

Sind spiegellose Kameras ausgereift?

Was die Fotos, also das Endergebnis, angeht, sind sie das ganz sicher. Was die Akkulaufzeit angeht eher nicht. Durch die Kombination aus Glassucher und Spiegelsystem, verbraucht die Spiegelreflexkamera sehr viel weniger Strom. Tatsächlich benötigt sie den erst einmal nur zum Fokussieren beziehungsweise für die Bildstabilisierung.

Die spiegellose Kamera hingegen, benötigt sehr viel mehr Strom, da der Sucher tatsächlich nichts anderes als ein kleiner Fernseher ist. Der Nutzer sieht also nicht das, was sich tatsächlich vor ihm befindet, sondern viel mehr eine Aufzeichnung dessen. Eine Aufzeichnung, die bis auf wenige Millisekunden »live« ist. Dieser »Fernseher« verfügt bei aktuellen spiegellosen Kameras über bis zu 9 Millionen Pixel. Und die wollen betrieben werden. Das Glas beziehungsweise der Spiegel der »alten Technologie« hingegen, verbraucht zunächst nur einmal Strom: Bei der Herstellung. Und da geht es auf das Energiebudget des Herstellers und nicht auf das, des Nutzers.

Ganz der Wahrheit entspricht aber auch das nicht – um ein Foto aufzunehmen muss der Spiegel kurzzeitig hochgeklappt werden, damit der Sensor belichtet werden kann. Zumindest hierfür wird kurzfristig schon ein wenig Strom benötigt. Aber eben bedeutend weniger als beim »Fernseher« der spiegellosen Kameras. Tatsächlich reduziert sich die Akkuleistung bei spiegellosen Kameras um Werte zwischen 30 und 70 % – je nach Hersteller und Modell beziehungsweise Referenz. Das ist schonmal nicht wenig.

Hier geht der Punkt klar an die Spiegelreflexkameras.

Auslöseverzögerung und Blackouts

Die Anfänge der spiegellosen Technologie waren grausam. Ernsthaft. Aber so ist das nun mal mit Anfängen, nicht wahr? Lange Auslöseverzögerungen haben es nicht leicht gemacht, genau das Bild aufzunehmen, das man aufnehmen wollte. Da war der Zug eben schnell schon mal abgefahren. Übertrieben gesagt.

Das hat sich inzwischen natürlich dramatisch verbessert. Eine Auslöseverzögerung gibt es so gut wie nicht mehr. Jedenfalls ist sie kaum mehr messbar, ob sie noch spürbar ist, muss wohl im Einzelfall betrachtet werden.

Anders sieht es bei vielen Modellen aktuell noch aus, was den Blackout angeht. Keine Sorge, das bedeutet nicht, dass eure Kameras ausgehen oder gar vergessen würde, dass ihr ein Foto gemacht habt. Nein, als Blackout bezeichnet man den Moment der Bildaufnahme. Bei einer Spiegelreflexkamera wird der Spiegel für die Dauer der Aufnahme hochgeklappt und danach gleich wieder herunterklappt. Der Sucher ist damit für die Dauer der Aufnahme optisch verdeckt. Bei 10 Bildern pro Sekunde also jeweils für eine Zehntelsekunde. Eigentlich sogar weniger, sonst kämen wir ja nicht auf 10 Bilder pro Sekunde.

Bei spiegellosen Kameras hingegen bleibt der Sucher (Der Fernseher) je nach Modell schonmal etwas länger Dunkel. Nicht unangenehm lange, aber störend lange. Ob euch das stört, hängt von eurem Geschmack ab. Und von eurer Einsatzart. Ein passender Vergleich dürften wohl die Umschaltzeiten eures Satellitenreceivers oder Fernsehers sein. Die einen stört es überhaupt nicht, wenn das Bild beim Senderwechsel 1, 2 oder 3 Sekunden dunkel bleibt. Und die anderen kriegen die Krise, insbesondere beim klassischen durchzappen. Zählt mich zu letzteren…

Punkt für die Spiegelreflexkamera.

Lag

Leider verfügen die spiegellosen Kameras noch immer über einen gewissen Lag. Nein, kein Jetlag. Gemeint ist hier die Zeit, die das Live »Video« vom Sensor bis zur Anzeige im Sucher benötigt. Diese reicht bereits aus, um sowohl Sport- als auch Tier- und Wildlifefotografen den Umstieg auf das neue System zu erschweren. Viele lehnen dankend ab, da das, was sie im Sucher sehen, bereits Vergangenheit ist. Damit ist das Bild, das sie gerne aufgenommen hätten, dahin.

Zugegeben, für Porträt oder Produktfotos dürfte das keine allzugroße Rolle spielen, geschweige denn überhaupt auffallen. Überall da, wo es aber eben auf Sekundenbruchteile ankommt, ist die Lichtgeschwindigkeit der Spiegelreflexkameras durch nichts zu ersetzen.

Auch wenn dieser Lag, diese Verzögerung, nur wenige Millisekunden lang dauert, sind viele Sport- und Wildlifefotografen bereits wieder zurückgewechselt zur guten alten und vor allem verlässlichen Spiegelreflexkamera.

Punkt für die Spiegelreflexkamera.

Aber keine Sorge, es nicht bei Weitem nicht alles schlecht, was die spiegellosen Kameras angeht. Kommen wir zu den nicht zu vernachlässigbaren Vorteilen:

Livebild

Jetzt habe ich den Sucher der spiegellosen Kameras eben noch abschätzig als stromfressenden Fernseher bezeichnet, muss ich seine Ehre gleich wieder retten: Der größte Vorteil dürfte für viele sein, dass er recht zuverlässig zeigt, wie das fertige Bild aussehen wird. Im Gegensatz zum Spiegel der alten Technik, zeigt der elektronische Sucher das Sucherbild stets abhängig von den gewählten Einstellungen an. Er berücksichtigt also sowohl die Verschlusszeit, die Blende als auch den gewählten ISO-Wert. Ein versehentliches Über- oder Unterbelichten wird damit also nahezu unmöglich.

Vielleicht bringt auch gerade dieses Feature dem kränkelnden Kameramarkt noch einmal einen kleinen Aufschwung. Zum Einen erleichtert er das richtige Belichten für viele ungeübte Fotografen, zum Anderen ermöglicht er mit »komplizierter Technik« genau das, was jeder Smartphonenutzer seit vielen Jahren gewohnt ist. Ein Foto, das genauso aussieht, wie bereits vor der Aufnahme auf dem Display.

Punkt für die spiegellosen Kameras.

Augenerkennung

Kommen wir zum wohl größten Vorteil der spiegellosen Kameras. Fast alle Modelle bieten eine Augenerkennung an. Das heißt, dass der Autofokus selbsttätig auf ein Auge des Modells fokussiert. Fehlfokussierungen gehören damit zu einem großen Teil der Vergangenheit an. Warum nur zu einem großen Teil? Nun, die Trefferquote liegt je nach Hersteller und Modell gefühlt so zwischen 70 und 90 Prozent. Das ist noch nicht perfekt, aber vor allem sehr hilfreich, wenn es mal wieder schnell gehen muss.

Es ist doch so: Manchmal dauert das manuelle Versetzen des Fokuspunkts einfach zu lange und das Motiv ist dahin. Manchmal liegt das Motiv aber auch außerhalb des Fokusbereiches, was uns zum nächsten Vorteil der spiegellosen Kameras bringt. Aber vorher noch:

Punkt für die spiegellosen Kameras.

Fokusbereich

Spiegelreflexkameras nutzen beim Fokussieren durch den Sucher den so genannten Phasenautofokus. Dieser umfasst in der Regel nur etwa 20 bis 30 Prozent des Bildausschnitts, von der Mitte nach oben, unten, links und rechts ausgehend. Spiegellose Kameras hingegen nutzen – ähnlich wie der Liveview-Modus der meisten Spiegelreflexkameras den Kontrastautofokus. Und dieser deckt heutzutage zwischen 80 und 100 Prozent des Bildfeldes ab.

Mit anderen Worten: Noch ein Punkt für das Team Spiegellos.

Vorteil und Nachteil zugleich

Kommen wir zum letzten, einem nicht weniger interessanten Punkt:

Die Hersteller haben ihren spiegellosen Kameras einen neuen Anschluss, ein neues Bajonett verpasst. Mit anderen Worten braucht man entweder einen Adapter – die meisten herstellereigenen Adapter funktionieren überraschend gut – oder neue Objektive. Die sind zwar in der Regel sehr, sehr gut, aber eben auch sehr, sehr teuer. Hier muss wieder jeder für sich selbst entscheiden, was er bereit ist, zu investieren beziehungsweise welche Abstriche er bereit ist, in Kauf zu nehmen. Einfaches Beispiel gefällig?

Die neuen Objektive sind je nach Hersteller und Motiv nochmal deutlich schärfer, als die alten. Klingt gut, oder? Tatsächlich gibt es Fotografen, denen die neuen Objektive zu scharf sind. Klingt komisch? Macht es in der Retusche beispielsweise umso mühseliger, da umso mehr Hautunreinheiten sichtbar werden.

Ihr seht, jede Medaille hat wie immer zwei Seiten… Und einen Rand.

Spiegellose Kameras: Wird es künftig noch Spiegelreflexkameras geben?

Meine ganz persönliche Einschätzung lautet: Wenn, dann nur noch sehr wenige. Sehr wenige Modelle, wohlgemerkt. Spiegelreflexkameras wird wohl oder übel das gleiche Schicksal wie den analogen Kameras mit dem Aufstieg der digitalen drohen. Die Frage, die sich zu stellen lohnt, lautet dabei: Wann ist für mich der richtige Zeitpunkt zum Umstieg gekommen. Und die hängt ganz sicher auch vom bereits vorhandenen Equipment ab. Wenn ich als Fotograf voll ausgestattet bin und bisweilen ohne Weiteres entsprechende Resultate erzielt habe, zwingt mich sicher nichts zu einem baldigen Umstieg. Andererseits kann ich heute vielleicht noch mehr für mein gebrauchtes Equipment erzielen, als in zwei, drei oder vier Jahren.

Als Kinder haben wir immer gelernt, uns nicht so nah vor der Fernseher zu setzen. Näher als bei den spiegellosen Kameras geht es allerdings kaum noch. Ich persönlich ziehe einen klaren Glassucher jedem elektronischen vor. Der Augenautofokus – insbesondere mit dem fast 100 % großen Fokusfeld – hat allerdings schon seinen Reiz.

Als Hundefotograf aber frühestens dann, wenn er auch bei rasanten Bewegungen entsprechende Ergebnisse liefert. Schlussendlich lautet die Frage dann: Wer erzielt bei Actionfotos weniger Ausschuss – Der Fotograf oder der Augenautofokus?

Pascal

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Pascal schreibt und fotografiert für sein Leben gerne. Er ist das kreative Kind hinter diesem Blog und leiht Benji ab und an seine Stimme...

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