Pascal

Pascal

Autor | Fotograf | Spaßvogel

- Was Corona für unsere Tiere bedeutet -

(*Zuerst erschienen in den “Club Nachrichten” des DKBS (Ausgabe 3/2020))

Sozialisierung. Regelmäßig wird, was sicher richtig ist, darüber berichtet, dass unsere Kinder nicht mehr in die Kita durften, dass Schulen geschlossen waren. Nun gibt es zahlreiche Untersuchungen darüber, was das mit den Jüngsten macht, darüber, wie es sich auf die Bildung der jeweiligen Generation auswirkt. Von den wirtschaftlichen Folgen wollen wir gar nicht erst anfangen.
Doch niemand, na ja kaum jemand, macht sich Gedanken darüber, was die Situation für unsere Tiere bedeutet.

Nicht kurzfristig und auch nicht langfristig. Ich möchte gar nicht lange über die Zoos und Tiergärten reden. Die müssen ihre Bewohner trotz durch den Lockdown ausbleibenden Einnahmen nicht bloß weiterhin pflegen. Sie müssen sie vor allem auch füttern . Beim Kölner Zoo, zum Beispiel, fallen Kosten in Höhe 54.000 EUR an. Pro Tag. Ein kleiner, lokaler Streichelzoo bringt es immerhin noch auf monatliche Futterkosten in Höhe von 10.000 EUR. Diesen Kosten stehen über Wochen und Monate keinerlei Einnahmen, abgesehen von Spenden, entgegen.

Nein, hier denken wir kleiner, hier geht es um unsere eigenen Vierbeiner. Und über die wird in der Öffentlichkeit noch viel weniger gesprochen, als über die bekannten Tiergärten und Zoos. Kommen wir zum Thema:

Sozialisierung in Corona Zeiten

Ach was hatten wir uns nicht alles vorgenommen, für die ersten Wochen mit Benji. Bereits Monate bevor der kleine Mann überhaupt auf die Welt gekommen ist, das heißt, Monate, bevor wir überhaupt wussten, dass es ein kleiner Mann werden würde, haben wir eine lange Liste geschrieben. Eine Liste voller Dinge und Unternehmungen, mit denen wir Benji auf die Welt da draußen vorbereiten wollten. Sicher, vielleicht haben wir es ein wenig übertrieben, aber streichen kann man das ein oder andere ja immer noch.

Dabei ging es uns nicht darum, alles besser oder richtiger als andere zu machen. Das wäre, grade beim ersten eigenen Hund, ja auch ziemlich vermessen. Nein, wir wollten Benji bloß ein möglichst entspanntes Leben ermöglichen, indem wir ihn mit möglichst vielen, unterschiedlichen Eindrücken konfrontieren.

Doch da kam er oder sie nun, der oder die Corona (Ist das jetzt mäßig korrekt?), und hat die meisten unserer Pläne zunichtegemacht.
Sicher, jetzt kann man sagen: Jammern auf hohem Niveau, immerhin sind wir gesund geblieben. Und natürlich durften wir uns, im Gegensatz zu manch anderen Ländern, noch relativ frei bewegen. Soweit, so gut.

Die Entwicklung

Doch für einen Hund sind die ersten Wochen und Monate unbestritten die wichtigsten, was die Erfahrungen und Entwicklungen angeht. Eine Zeit, die man nicht (oder kaum) nachholen kann. Was der Hund in dieser Zeit nicht kennenlernt, wird ihm später mehr oder weniger große Probleme bereiten. Nicht alles, aber vieles.

Das können kleine Dinge sein, aber auch große. Nehmen wir mal den Postboten. Wenn der klingelt, ist es für viele Hunde immer ein gewisser Stressfaktor. Was haben wir uns darauf gefreut, Benji gleich von Anfang an mit unserem Postboten vertraut zu machen. Doch weit gefehlt: In der so genannten »neuen Normalität« (welch großartiger Begriff) klingelt der Postbote zwar nach wie vor, doch stellt er das Paket dann eben vor der Türe ab und macht gleich wieder einige Meter kehrt. Abstand halten.

Einzeln betrachtet sicher kein Drama. In der Summe aber, wird sich erst in der nahen bis mittleren Zukunft zeigen, wie sich all das Verpasste nicht bloß auf Benji, sondern gleich auch eine ganze Generation von Welpen (oder inzwischen vielleicht schon Junghunden) auswirkt.
Dinge wie Ausflüge ins Café, in den oben genannten Zoo beziehungsweise Gnadenhof, um nicht bloß Menschen, sondern auch andere Tiere kennenzulernen, ins Brauhaus (Kultur!), der Besuch eines Spielplatzes mit tobenden Kindern…

Jammern auf hohem Niveau?

Viele mögen in Anbetracht der allgemeinen Situation jetzt immer noch von Jammern auf hohem Niveau sprechen. Wie gesagt, das Gros der Probleme wird sich erst in der Zukunft zeigen. Was allerdings viel schlimmer wiegt, ist, dass sämtliche Hundeschulen – in der Regel Orte im Freien mit vielen hundert bis tausend Quadratmetern an Fläche um entsprechend Abstand halten zu können – ebenfalls über Wochen und Monate geschlossen waren.

Und so waren die einzigen Hunde, die Benji in den ersten zwei Monaten bei uns kennengelernt hat, ausschließlich erwachsene Vertreter, die naturgemäß nicht allzu viel Interesse an dem jungen Wusel zeigten. Glücklicherweise hat Benji, zumindest Stand heute, die fortwährende Ablehnung der anderen Hunde, gut weggesteckt und sich seine Neugier auf andere Vertreter seiner Zunft nicht nehmen lassen. Doch das ist eben nur ein Punkt von vielen. Ein Weiterer wäre die Frage, wie er seinerseits später auf Welpen reagieren wird, wo er abgesehen von seinen Brüdern ja keinerlei andere hat kennenlernen dürfen.

Ich habe vor einigen Tagen einen interessanten Spruch gelesen, der nicht auf Corona, sondern die Jugend allgemein gemünzt war. Leider ist mir die Quelle entfallen, ich habe ihn also frei aus dem Englischen übersetzt:

Moralische Fragen

»Während zahlreiche Umweltaktivisten immer wieder versuchen, mit der moralischen Frage aufzutrumpfen, was für eine Welt wir unseren Kindern hinterlassen würden, sollten wir uns langsam vielleicht einmal fragen, was für Kinder wir dieser Welt hinterlassen.«

Ich hoffe, dass Corona beziehungsweise die getroffenen Maßnahmen nicht dazu beitragen, dass wir uns die gleiche Frage künftig in Bezug auf unsere Hunde stellen müssen. Aber das soll bloß ein Denkanstoß sein. Wie wir trotzdem versucht haben, das Beste aus der Sache zu machen, nein zumindest einiges nachzuholen, wird euch Benji auf den nächsten Seiten erzählen.

Genauso zum Nachdenken hat mich übrigens gebracht, als wir von einer bekannten Hundeschule erfahren haben, dass die Tierheime zwischenzeitlich wie leergefegt gewesen seien. Da fragt man sich, was mit den armen Wesen passieren mag, wenn die neuen Besitzer plötzlich nicht mehr so viel Zeit haben. Wenn statt Homeoffice wieder tägliches pendeln zur Arbeit angesagt ist…

Wir hoffen, dass hier nicht mal wieder zu kurz gedacht worden ist. So, wie wenn Haustiere zu Weihnachten verschenkt wurden (wobei es hier sicher auch positive Beispiele gibt).

Quellen: Hier und Hier

Pascal

Pascal

Pascal schreibt und fotografiert für sein Leben gerne. Er ist das kreative Kind hinter diesem Blog und leiht Benji ab und an seine Stimme...

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll to Top