Pascal

Pascal

Autor | Fotograf | Spaßvogel

- Bildbearbeitung – Für und Wider -

Bildbearbeitung und Retusche. Es ist eines “dieser” streitbaren Themen. Eines, das auf den ersten Blick keinen Kompromiss zuzulassen scheint:

Für die einen ist es Kür, für die anderen der ultimative Verlust ihrer spärlichen Freizeit. Für die einen ist es Kunst, für die anderen eine unverzeihliche Manipulation der Wirklichkeit. Für die einen ist es die Veredlung eines Kunstwerkes, für die anderen die Offenbarung mangelnder fotografischer Fähigkeiten. 

Und nun? Was halten *wir* nun davon? Oder besser noch, was haltet ihr davon? Ich, für meinen Teil, glaube, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt. Mal wieder elegant aus der Nummer gestohlen, nicht wahr? Nicht ganz…






Mein frühere Meinung dazu

Früher, das heißt, in den Jahren, nachdem ich die Fotografie für mich entdeckt habe, war ich der Meinung, dass Bildbearbeitung nichts – oder nicht viel – mit Fotografie zu tun hat. Das hatte vor allem zwei Gründe. Na gut drei. Oder vier…

Erstens hat mir das Fotografieren einfach viel mehr Spaß gemacht, als die *nervige* Nachbearbeitung.

Zweitens lag “erstens” wohl daran, dass ich nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten zum Bearbeiten hatte (Traurig oder?). Ich war lange davon überzeugt, dass Canons eigenes Verwaltungs- und Bearbeitungsprogramm – Canon DPP (Digital Photo Professional) – all das können würde, was ich benötigte. Spoiler Alarm: Konnte – und kann es immer noch nicht. Es war der bekannte Blick über den Tellerrand hinaus, der mir schließlich gezeigt hat, dass da draußen, also außerhalb von Canons DPP, noch ganz andere Möglichkeiten liegen.

Das hat dann zu drittens geführt: Nun, da es schier unendliche Möglichkeiten zu entdecken gab, war es die Muße, die gefehlt hat. Die Muße und die Erfahrung – damals waren Tutorials, ja damals war selbst Youtube noch rar gesät.

Und viertens… Ach ersparen wir uns das. Schauen wir uns lieber noch ein Bild an.


Heute weiß ich es besser

Tatsächlich habe ich mich über die Jahre mehr und mehr mit dem Thema arrangieren können. Ich würde nicht so weit gehen, zu behaupten, dass es nach einem Shooting nichts Großartigeres für mich gäbe, als die Bilder endlich bearbeiten zu dürfen. Das sicher nicht. Dafür macht mir das Fotografieren und die Arbeit mit den Fellnasen zu viel Spaß. Allerdings gehört eine Grundbearbeitung (neben der Retusche) nach wie vor dazu und macht es in der Regel erst perfekt – auch wenn “perfekt” natürlich immer im Auge des Betrachters liegt. Und wenn wir mal ehrlich sind, war es zu analogen Zeiten ja auch nicht anders. Der Film musste doch auch erst entwickelt werden.


*Exkurs Rohdateien*

Im Gegensatz zu .jpeg oder den neueren .heic Dateien, zeigen RAW-Dateien das Bild so, wie die Kamera es mit den jeweiligen Aufnahmeeinstellungen sieht. Wenn ihr mit eurem iPhone oder einer einfachen Digitalkamera hingegen ein Foto aufnehmt, dann seht ihr gleich ein fertig entwickeltes Foto, statt einer RAW-Datei. Der Vorteil hierbei ist, dass der Algorithmus eures iPhones oder eurer Kamera das Bild gleich für euch entwickelt hat. Der Nachteil ist, dass ein .jpeg Bild deutlich weniger Bildinformationen enthält, womit es für eine entsprechende Nachbearbeitung kaum mehr ausreichend Spielraum bietet. Ihr seid also quasi auf den Geschmacksinn des Algorithmus angewiesen.

*Exkurs Ende*


Inzwischen weiß ich die kreativen Gestaltungsmöglichkeiten also durchaus zu schätzen. Allerdings ist hier Vorsicht geboten – wie immer gilt: Bitte in Maßen genießen. Man sollte es mit dem Bildlook nicht übertreiben, sonst sieht es schnell kitschig aus, auch wenn das mal wieder Geschmacksache ist. Auch sollte man natürlich darauf achten, den Farbton des Hundes einigermaßen beizubehalten. Wenn das in natura weiße Fotomodel plötzlich ein eher dunkles Fellkleid trägt, ist das schließlich auch nicht so prall, oder?

Andererseits kann eine entsprechende Bearbeitung durchaus dazu beitragen, den eigenen Stil zu unterstreichen. Und das sollte sie auch.

Es ist doch so: Wenn alle Bilder, abgesehen von einer marginalen Grundentwicklung, unbearbeitet bleiben würden, sähen sie doch in etwa alle gleich aus. Zumindest die, die jeweils ein ähnliches Motiv bei ähnlichem Wetter vor ähnlichem Hintergrund wiedergeben. Und nun stelle man sich einmal einen Ort wie Instagram vor… Man scrollt also durch hunderte von Hundefotos der unterschiedlichsten Fotografen, die sich alle kaum von einander unterscheiden. Irgendwie langweilig, oder?

Andererseits würde es vielen vielleicht doch wieder ein wenig ihrer wertvollen Zeit zurückgeben, die sie täglich auf den sozialen Medien “verplempern”. Ich meine, wenn Instagram plötzlich langweilig würde… Ja, ja, dann würde sicher bald eine andere App die plötzlichen Lücken in unseren Kalendern füllen. Schlimm schlimm… Aber zurück zum Thema.


Irish Red Setter Senta in der Sonne

Der Bildstil

Die Bildbearbeitung ist inzwischen also, nicht ganz zu Unrecht, zu einem Teil des individuellen Bildstils geworden. Es ist nicht umsonst oftmals erst der Bildlook, der den potenziellen Kunden von unserer Arbeit überzeugt. Aber genau hier liegt auch gleich das nächste Problem. Viele Fotografen – auch das ist natürlich Ansichtssache – entwickeln weniger ihren eigenen Stil, sondern laufen viel mehr den jeweils aktuellen Trends hinterher. Wer auf Instagram Hundefotos abonniert hat, oder besser gesagt Hundefotografen, der wird schnell feststellen, dass er zwischen Herbst und Frühling fast zugeschüttet wird mit Fotos, die alle dem gleichen Stil entsprechen. In der dunklen Jahreszeit ist der überwiegende Teil der Hundefotos in warmen Herbsttönen gehalten. Immergrüne Blätter werden mittels Bildbearbeitung plötzlich Herbstbraun gefärbt.

Natürlich sieht das ganz nett aus. Mitunter werden sogar herausragende Ergebnisse erzielt. Die überwiegende Mehrzahl hat sich allerdings zu einem riesigen Einheitsbrei entwickelt und geht in der breiten Masse unter.

Ein krasses Beispiel dafür, dass es auch einfach geht (zumindest stand heute), ist Regine Heuser, bei der ich im letzten Jahr an einem Hundefotografieworkshop teilgenommen habe.

Regine ist eine der wenigen Hundefotografinnen, die mit sehr wenig Bildbearbeitung sehr erfolgreich sind. Sie ist also genau den umgekehrten Weg gegangen und hat ihren Stil in einem sehr natürlichen Bildlook gefunden. Und ihre Bilder wirken trotzdem. Oder grade deshalb – Sie macht schließlich ebenfalls ihr eigenes Ding.


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Pascal schreibt und fotografiert für sein Leben gerne. Er ist das kreative Kind hinter diesem Blog und leiht Benji ab und an seine Stimme...

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